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  • Ausstellung zum Werden und Bleiben eines Stadions
  • 26. Juli bis 30. August 2014, Gegengerade, Millerntor
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Die Ausstellung

Es ist der magische Ort des „Magischen FC“, das oft wild schlagende Herz eines unruhigen Vereins; es ist Sportstätte und Kraftzentrum, Arbeitsplatz und Lebensraum; es ist die Geburtsstätte einer neuen Fankultur und zeigt Wirkung in Pop und Politik: Vom 26. Juli bis zum 30. August 2014 wurde dem Millerntor-Stadion seine erste große Ausstellung gewidmet. Auf diesen Seiten lebt sie als „virtuelles Museum“ weiter.

Auf über 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche machte der gemeinnützige Förderverein 1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V. gemeinsam mit bontempo – temporäre architektur das Werden und Bleiben eines  der ungewöhnlichsten Fußballstadien der Welt erlebbar. Und zwar so, dass langjährige Fans ebenso auf ihre Kosten kamen wie neugierige Sympathisanten des FC St. Pauli, die vielleicht sogar noch nie ein Spiel dort erlebt haben.

Das augenzwinkernde Motto „Fuck You, Freudenhaus“ ist dabei als bewusste Absage an alte Klischees zu verstehen: „Natürlich haben wir alle am Millerntor schon viel Freude erlebt“, so Michael Pahl, Vereinsvorsitzender von 1910 e.V.: „gedrehte Spiele, Aufstiege, die unglaubliche ‚Bokal’-Serie … Wir wollten aber zeigen, dass das Millerntor viel mehr ist als die üblichen Abziehbilder vom ‚Kult-Club’ mit den ‚kultigen Fans’. Hier finden nicht nur Partys statt, sondern zum Beispiel auch Politik und Antidiskriminierungsarbeit, nicht nur an den Spieltagen. Und außerdem ist es nicht nur die Freude, sondern gerade auch der Umgang mit Niederlagen, der das Millerntor zu einem besonderen Platz macht.“

Das Millerntor-Stadion 2009. Foto: Antje Frohmüller

Das Millerntor-Stadion 2009. Foto: Antje Frohmüller

Vielfältige Themen und unzählige Geschichten

Entsprechend vielfältig sind die Themen, die mit vielen noch nie zuvor gezeigten Bildern, Filmen und dreidimensionalen Objekten erzählt werden: Neben der verwickelten und anekdotenreichen Geschichte des Stadions und Informationen über seine Gegenwart und Zukunft (in der mit dem Abriss der alten Nordkurve Anfang August eine weitere markante Veränderung kurz bevorsteht) sind auch die nichtgebauten Stadion-Entwürfe aus mehreren Jahrzehnten, das Stadion als politischer Ort sowie die verschiedenen „Fan-Biotope“ der vier Tribünen und die vielen internationalen Besucher Thema.

Die aufwendige Ausstellung wurde komplett ehrenamtlich von Aktiven des Fördervereins 1910 e.V. konzipiert , einem der fünf Dauerprojekte bei KIEZHELDEN, der sozialen Plattform des FC St. Pauli. Partner für die dreidimensionale Gestaltung und den Bau ist das Hamburger Unternehmen bontempo – temporäre Architektur, das langjährige Erfahrung in Design, Architektur und Realisierung außergewöhnlicher Räume, Messepräsenzen und Events für internationale Organisationen und Unternehmen besitzt.

Das faszinierend detailgetreue Miniatur-Millerntor. Foto: Stadionmodellbau Tribian

Das faszinierend detailgetreue Miniatur-Millerntor. Foto: Stadionmodellbau Tribian

Spektakulär: Miniatur-Millerntor im Maßstab 1:100

Als besonderes Highlight war zudem das Miniatur-Millerntor der Modellbauer Veronika und Holger Tribian aus Duisburg zu sehen. Das faszinierend detaillierte Modell entsteht in mehreren tausend Stunden im Maßstab 1:100. Nur die neue Nordkurve konnte naturgemäß noch nicht begonnen werden.

Mehrere hundert St Paulianerinnen und St. Paulianer haben bereits von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, individuelle „Miniatur-Zwillinge“ von sich selbst anfertigen zu lassen. Nun haben ihre verkleinerten Doppelgänger eine „Dauerkarte im Miniatur-Millerntor“ und können in den Ausstellungsräumen bestaunt werden.

Wo die ersten Totenköpfe wehten

Dabei ist der Ort der Ausstellung so geschichtsträchtig wie ihr Gegenstand: Auf der Gegengerade des Millerntor-Stadions wehten Mitte der 80er Jahre die ersten Totenkopf-Fahnen, Symbole für ein vollkommen neues Verständnis von Fankultur zwischen Politik, Punk und Protest.

Eine Protestkultur übrigens, die einiges mit dem zukünftigen FC St. Pauli-Museum zu tun hat: Als Pläne bekannt wurden, in der Gegengerade eine kombinierte Stadion- und Domwache unterzubringen, setzen sich St. Pauli-Fans unter dem Motto „Museum statt Goliathwache“ für eine braun-weiße Pilgerstätte in der Gegengerade ein.

Nun ist dort also die erste Ausstellung zu sehen – eine temporäre Ausstellung fürs Erste, schließlich sind die Verhandlungen zwischen FC St. Pauli und Stadt zu einer externen Realisierung der geplanten Polizeiwache noch nicht abgeschlossen.

Und doch ist die Millerntor-Ausstellung ein großer Schritt in Richtung der Erfüllung des Ziels von 1910 e.V.: „Ein Verein wie kein anderer verdient ein Museum wie kein anderes.“

Das Plakat zur Millerntor-Ausstellung. Gestaltung: DJ DSL

Das Plakat zur Millerntor-Ausstellung. Gestaltung: DJ DSL, www.dj-dsl.com